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Johan Niehof - Weltreisender und Pionier

A D V E N T L I C H E   V O R T R A G S V E R A N S T A L T U N G   B E I   T I M M E R 

Die Lingener Familienforscher laden zur adventlichen Vortragsveranstaltung am 29. November 2018 um 18 Uhr in die Gaststätte Timmer ein. Im Mittelpunkt des Vortrages von Gerda Nichau steht der Weltreisende Johan Niehof aus Uelsen in der Grafschaft Bentheim. Nieuhof bereiste schon im 17. Jahrhundert Brasilien, China, und Indien und gilt als Pionier seiner Zeit, da er die ersten Bilder aus bis dahin völlig fremden Ländern nach Europa brachte.


N I E U H O F   W A R   M E H R   A L S   E I N   A B E N T E U R E R 

Johann Niehoff erblickte vor 400 Jahren am 22. Juli 1618 in Uelsen in der Grafschaft Bentheim das Licht der Welt. In der historischen Forschung ist man inzwischen davon überzeugt, dass er mehr war als ein Abenteurer und Weltumsegler, als der er lange Zeit nur galt. Ein Leben zwischen Uelsen und Peking, das klingt auch heutzutage noch aufregend. Vor 400 Jahren aber, als Johan Nieuhof in Uelsen geboren wurde, waren Reisen nach Asien lebensgefährliche Abenteuer ins Ungewisse. Ein Blick in das Leben und Werk des Weltreisenden Johan Nieuhof und seiner durchaus interessanten Familie soll beleuchtet werden.
Von Beruf Kaufmann, ist er als begabter Zeichner und Autor mehrere Bücher über seine Reisen nach Brasilien, nach Ostindien und vor allem nach China von großem Einfluss gewesen. Bekannt wurde er durch seine Berichte über Handelsreisen nach Brasilien, Indien und China.
Es geht aber auch um Uelsen und die Umgebung zu jener Zeit, im Dreißigjährigen Krieg, um die enge Verbindung der Familie Niehoff zur Gemeinde Uelsen, um Handel und Seefahrt sowie das unbekannte Ende Nieuhofs, der 1672 auf Madagaskar verschollen blieb und dort wohl im Alter von 54 Jahren starb.


F A M I L I E N B A N D E   Z U M   M O O R K O L O N I S T E N   P I C C A R D T 

Über seine Jugendjahre ist nichts bekannt. Man weiß nur, dass sein Vater Jan Nijhof aus Zwolle kam und er Kaufmann von Beruf war, als er nach Uelsen kam. In Zwolle hatte er geheiratet und war nun Witwer. Im Kirchenbuch in Zwolle wird vermerkt: Jan Nijhof, Münster! In Uelsen wurde er dann Bürgermeister. In seiner Amtszeit fällt der Bau des alten Rathauses in Uelsen, wahrscheinlich im Jahre 1649. Auch soll das heutige Wappen der Gemeinde Uelsen auf die Familie Nieuhof zurückgehen.
Seine Mutter Egbert Piccardt war eine Schwester des Moorkolonisten Dr. Johann Piccardt.


I M   D I E N S T E   D E R   W E S T I N D I S C H E N   C O M P A G N I E 

Nach Amsterdam kam er vermutlich als 21 jähriger auf der Suche nach Arbeit im Kielwasser seines Onkels Alexander Picard. Dieser starb 1640 bei Kämpfen in Brasilien.
Seit Niehoff im Jahre 1640 als Soldat im Dienste der westindischen Compagnie 9 Jahre in Brasilien verbrachte, hat er sich überwiegend in fremden Ländern bewegt nur einmal war er von Ende 1649 bis Sommer 1653 für längere Zeit zu einem Familienbesuch in Uelsen und hat am 15. Mai 1651 wahrscheinlich den Tod seines Vaters miterlebt.
Johan Nieuhof wäre bald in Vergessenheit geraten, hätte er nicht in vielen Zeichnungen und Texten von seinen Reisen berichtet. Er sei ein Meister in den Kulturtechniken Schreiben und Zeichnen gewesen. Mit seinen Reiseberichten sei Niehoff einer der ersten Auslandskorrespondenten gewesen und seine Bücher boten Zeitgenossen damals Einblicke in Regionen, die ihnen bis dahin völlig unbekannt waren. Er ist in Teile der Welt gekommen, von denen die meisten unserer Vorfahren damals wahrscheinlich noch nie gehört hatten.
Das Bild, dass Europa sich vom 17. Jahrhundert und davor von China machte, hat er mit seinem Buch über China zurechtgerückt und erneuert. Der bald darauf einsetzende europäische Stil der China Serie in bildender Kunst, Mode und Architektur ist dadurch beflügelt worden.


D A S   I L L U S T R I E R T E   C H I N A B U C H   W I R D   E I N   B E S T S E L L E R 

Die Gemeinde Uelsen ist im Besitz des mit 150 Kupferstichen illustrierten Chinabuchs. Sie hütet dieses einzigartige Werk, das dauerhaft in der Obhut des Kreisarchiv in Nordhorn bleibt, als einen ihrer kostbaren kulturellen Schätze. Es ist 1665 erstmals in niederländischer und französischer Sprache erschienen, ein Jahr darauf folgte die deutsche Ausgabe. Das 500 Seiten starke Buch im Querformat erschienen bald darauf auf Latein und Englisch. Für den rührigen Verleger van Meurs aus Amsterdam ein großer Erfolg, ein Bestseller. Herausgegeben wurde es nicht von Johan Nieuhof selbst, sondern von seinem Bruder Henrick, der auch die Vorworte schrieb.

Das Porträt auf der Titelseite seines Chinabuchs lässt erahnen, was einer seiner Biographen im 19. Jahrhundert über ihn sagte:,,Ein vielseitiger, rasch auffassender Geist, poetisch und musikalisch veranlagt, fleißig in der Aufzeichnung der verschiedensten Beobachtung und Mitteilungen’’.

China lernte Nieuhof als Mitglied einer niederländischen Handelsdelegation kennen, die auf Beschluss der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC) beauftragt war, Handelsbeziehungen zum Reich der Mitte herzustellen.


N I E U H O F   E I N   M U L T I T A L E N T 

Die Niederländer hatten gegen Ende des 16 Jahrhunderts in Asien die Vormachtstellung der Spanier und Portugiesen abgelöst und in Batavia heute Jakarta eine Handelsstation gegründet, von der aus Sie den Handel mit China betreiben wollten. China war schon im 13. Jahrhundert von dem Venezianer Marco Polo gereist worden und auch die Jesuiten getrieben seit langen schon Mission in Peking, als die niederländische Gesandtschaft dort eintraf. Sie war am 19. Juli 1655 mit zwei Schiffen von Batavia aus gestartet.
Die beiden Häupter der gesamten ganzen Gesandtschaft waren die Kaufleute Dieter de Goyer und Jakob Keyser. Ihre Begleitung bestand aus 14 Personen darunter zwei Dolmetscher, ein Arzt, sechs Soldaten und einen sogenannter Hofmeister, eine Art Manager und Schiffskapitän, das war Johann Niehoff. Er hatte die Aufgabe, über den Verlauf der Reise einen Bericht zu verfassen und die wichtigsten Beobachtungen über Land und Leute zu skizzieren. Wegen seines Zeichentalents war er für diese Aufgabe ausgewählt. Die Skizzen waren die Grundlage für die Kupferstiche, die der Verleger in Amsterdam fertigen ließ und als Illustrationen in den Text eingefügt.

Die lange Reise hin und zurück von Kanton nach Peking über 2400 km zu Lande aber vor allem auf dem Wasser , ist Gegenstand des ersten Teil ihn hatten - nach seiner Rückkehr nach Amsterdam für die VOC aufgeschrieben. Der zweite Teil enthält eine Lexikonartikel Darstellung von politischen geographischen naturwissenschaftlichen und kulturellen Infos die der Verleger zum Teil aus anderen Quellen zusammengestellt hat.


N I E U H O F   V E R S C H W A N D   S P U R L O S   I N   M A D A G A S K A R 

Er schreibt anschaulich und lebendig und begegnet dem Land mit großer Aufgeschlossenheit. Seine Illustrationen haben dokumentarischen Wert. Darin liegt die Modernität, sie vermitteln die Wirklichkeit von Natur und Landschaft, die Besonderheiten der Menschen, ihre Städte und Bauwerke. Scharfe Worte findet er eigentlich nur für die Gräueltaten der Besatzungsmacht, der Tarter, also der Manjuren, die erst wenige Jahre vor der Ankunft der Gesandtschaft die Ming-Dynastie abgelösten. Und besonders scharfe Worte auch für den Tempel, Pagoden und die Region des Landes, die er immer wieder als bräunliche Abgötterei verurteilt. Dieses ist auch nicht verwunderlich, denn er stammte aus einer sehr religiösen Familie, sein Großvater Johann Piccardt war Prediger beim Grafen von Bentheim. Am 21. März 1657 endet seine Reise mit der Rückkehr nach Batavia. Weitere Reisen zwischen Amsterdam und Asien folgen in den nächsten Jahren.
Am 7. Oktober 1672 geht er mit seinem Schiff ,, Der Pfeil’’ an der Nordküste Madagaskars vor Anker, wahrscheinlich um an Land Sklaven zu kaufen, man sieht ihn nie wieder. Er verschwand spurlos möglicherweise in einem Kochtopf.

Die adventliche Vortragsveranstaltung der Lingener Familienforscher findet am am 29. November 2018 um 18 Uhr in die Gaststätte Timmer statt. Anschl. besteht die Möglich zur Teilnahme am gemeinschaftlichen Abendessen. Zur besseren Planung bitten wir um kurze Anmeldung bei Joachim Schulz



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