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Handschlag von 1960 ruft Eklat hervor

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Lingen/Pritzwalk. 57 Jahre ist es her, dass ein Handschlag zwischen Lingens CDU-Bürgermeister Robert Koop und den Mitgliedern einer Delegation aus Pritzwalk in der DDR im Emsland für viel Aufsehen sorgte. Ohne Turbulenzen verlief hingegen jetzt ein Besuch aus der kleinen Stadt im Brandenburgischen.

„Ich habe meinen Großvater nur einmal so erlebt. Er hat geweint, er war fassungslos und kaum zu beruhigen“, erinnert sich der Ratsherr der Bürgernahen, Robert Koop, heute noch an unruhige Tage im Mai 1960 im Leben seines gleichnamigen Großvaters. Doch was war geschehen? Es war ein Jahr vor dem Bau der Mauer, in den Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten herrschte „Eiszeit“. Die DDR beschloss, Delegationen in den westdeutschen „Adenauer-Staat“ zu schicken – auch, um die „wahren Verhältnisse in der DDR im Westen darzulegen“. Koop senior empfing die Delegation, zeigte ihnen öffentliche Gebäude und Neubaugebiete in Lingen und verabschiedete sich von ihnen per besagtem Handschlag. Dies wurde dem langjährigen Bürgermeister aber von einigen Lingener Bürgern sehr übel genommen.


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Unter den empörten Bürgern waren Alois Dickopp, damals Redaktionsleiter der Lingener Tagespost, Wilderich Graf von Galen von der nationalkonservativen Deutschen Partei, Rudolf Begger, Oskar von Klitzing und Koops „Parteifreund“ Josef Henrichs. Sie alle waren beim Handschlag vor dem Gebäude der Polizei dabei, und aus ihrer Runde soll der Bürgermeister beschimpft worden sein. Von der darauf folgenden Ratssitzung berichteten schließlich internationale Medien, das Nachrichtenmagazin Der Spiegel sowie Rundfunkanstalten. Zudem wurde die Sitzung auf dem Marktplatz übertragen. Die Parteien unterstützen Koop aber, und er blieb bis 1968 Bürgermeister der Stadt.
Damit war die Geschichte jedoch nicht beendet. Der konservative Katholik Josef Henrichs wies die Vorwürfe des Bürgermeisters, ihn beschimpft zu haben, zurück und ging juristisch gegen Koop senior vor. Rund eineinhalb Jahre später erst endete diese Auseinandersetzung schließlich vor dem Oberlandesgericht in Oldenburg mit einem Vergleich.


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Sehr aufgeregt hatte sich der Alt-Bürgermeister und Bäckermeister Koop, als er erfuhr, dass Josef Henrichs juristisch gegen ihn vorgehen wollte. „Er war eigentlich ein ruhiger und ausgleichender Mensch, hier war er aber zutiefst gekränkt“, erklärte Koop junior.
Doch auch im Hause Henrichs hatte diese juristische Auseinandersetzung Folgen, wie sich Josef Henrichs Sohn Georg, später langjähriger Leiter der Wirtschaftsförderung bei der Stadt Lingen, noch heute erinnert: „Meiner Mutter war es peinlich, gegen den von ihr sehr geschätzten Bürgermeister derart vorzugehen. Es gab in dieser Zeit auch einige turbulente Gespräche in unserem Haus.“
An diese deutsch-deutsch Geschichte aus der tiefsten Zeit des Kalten Krieges in Lingen erinnerten jetzt der Lingener Heimatforscher Benno Vocks, sein Pritzwalker Kollege Wolfgang Simon und einige Nachfahren der 1960 handelnden Personen während eines von gut 60 Interessierten besuchten Vortragsabends vom Heimatverein Lingen in Halle IV.
Dazu waren auch einige Gäste aus Pritzwalk die rund 400 Kilometer nach Lingen angereist. Gemeinsam hatten sie noch vor dem Vortrag den Ort des historischen Händedrucks, die alte Polizeiwache in Lingen, besucht. Heute wird das Gebäude nach Angaben vom Leitenden Polizeidirektor Karl-Heinz Brüggemann vom Präventionsteam der Polizei und den aktuell zehn Verfassungsschutzbeamten genutzt. Der Verfassungsschutz hatte 1960 schließlich auch die Delegationsmitglieder aus Pritzwalk verhaftet.

Quelle: Carsten van Bevern, Lingener Tagespost, November 2017

BU: Lingens Bürgermeister Robert Koop (r.) verabschiedet vor dem alten Lingener Polizeigebäude 1960 die Mitglieder der Delegation aus Pritzwalk aus der DDR - diese Geste sorgte in der Stadt für großes Aufsehen.
Foto: Alois Dickopp, Lingener Tagespost, Mai 1960

BU 2: Besuch aus Pritzwalk in Lingen. Vor der alten Polizeiwache hatte 1960 der damalige Bürgermeister der Stadt Lingen, Robert Koop, Delegierten aus dieser brandenburgischen Stadt die Hand gegeben – dies hatte seinerzeit für viel Aufsehen gesorgt. v. l. n. r.:Polizeidirektor Karl-Heinz Brüggemann, Dr. Wolfgang Simon (Pritzwalk), Robert Koop, Georg Henrichs, Benno Vocks, Gudrun Röpnack (Pritzwalk), Martin Begger
Foto: Carsten van Bevern, Lingener Tagespost, November 2017


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