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Geschichte Lingens
Chronik der Stadt Lingen
Das Torwärterhaus

A R C H I V A L I E   D E S   M O N A T S   N O V E M B E R   2 0 1 3 

von Dr. Stephan Schwenke

Neben den üblichen Städtischen Angestellten wie Kämmerer, Magistratssekretär oder den Polizeidiener-Posten beschäftigte die Stadt Lingen im 19. Jahrhundert noch verschiedene weitere Angestellte zur Unterstützung des Magistrats in städtischen Angelegenheiten.
Dazu zählt etwa ein Bauführer zur Beaufsichtigung sämtlicher städtischer Arbeiten, ein Forstaufseher für die Überwachung der Marken und Forsten oder ein Spritzenmeister zur Instandsetzung der Feuerlöschgeräte. Der Bleicher übernahm die Überwachung der auf der Bleiche zum Trocknen ausgelegten Wäsche. Gleichzeitig hatte er auch noch den Posten des städtischen Nachtwächters inne. Ein städtischer Badewärter sorgte in den Männer- und Frauenbadeanstalt für Ordnung und ein Flurschütz ging gegen Felddiebstähle und Forstvergehen vor.


Lingen besaß früher drei Stadttore, das Mühlentor, das Lookentor und das Burgtor. Zur Festungszeit erfüllten sie militärische Zwecke, nach Schleifung der Festungswerke dienten sie zur Kontrolle der Ein- und Ausfuhr, aber auch Zoll- bzw. Gebührenerhebung oder der Überwachung der Nachtruhe.
Eines dieser Wachthäuser hat sich in Lingen erhalten . Es steht in der Burgstraße und wurde 1847 an Stelle des alten Burgtores für insgesamt 700 Reichstaler errichtet. Das 32 Fuß lange und 25 ½ breite Gebäude war ursprünglich eingeschossig, das Dach wurde über dem zurückliegenden Erdgeschoss von vier Säulen getragen. Der mittig liegende Eingang führte in einen Flur, von dem mehrere Zimmer abgingen. Links und rechts lagen Stuben, der Eingangstür gegenüber lag die Küche. Von dieser ging es rechter Hand in die Vorratskammer und den Keller, linker Hand befanden sich der Stall und der Abbort. Ende des 19. Jahrhunderts baute man das Dachgeschoss aus und ersetzte die beiden mittleren Säulen durch Stahlsäulen. Zur Abriegelung der Straße verfügte es früher über eine Schranke.


Für die Reparatur der Wachthäuser war die Stadt verantwortlich. Schwieriger war es, für den Torschreiberposten eine geeignete Person zu finden. Da die Torschreiber auch für die Abgabenerhebung von Brennmaterial zuständig waren und diese städtische Einnahmequelle nur geringe Beträge abwarf, wurde die Stelle neu besetzt. 1880 hieß der städtischer Torschreiber Behring. Ihm oblag nicht nur die Kontrolle der Tore und das Einziehen von Gebühren, er war auch als Ausrufer zur Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen und als Mahner der städtischen Abgaben tätig.

Quellen und Literatur:
Stadtarchiv Lingen, Dep. 29b, Nr. 3226, Die Wachthäuser der Burg- und Lookenpforte, 1740;
Stadtarchiv Lingen, Dep 29b, Nr. 3260, Das Torschreiberhaus vor dem Burgtor, 1847-1864;
Beiträge zur Chronik der Stadt Lingen aus den Jahren 1860 bis 1880 des Bürgermeisters W. von Beesten, Lingen 1880 (Nachdruck);
Baldur Köster, Lingen. Architektur im Wandel von der Festung zur Bürger- und Universitätsstadt bis zur Industriestadt (bis 1930), Berlin 1988.


Das Stadtarchiv in Lingen
Die Große Straße

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