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Geschichte Lingens
Chronik der Stadt Lingen
Der Name Lingen

A R C H I V A L I E   D E S   M O N A T S   F E B R U A R   2 0 1 5 

von Dr. Mirko Crabus

Im Jahre 975 wird Lingen erstmals erwähnt, und zwar in einer Urkunde des Kaisers Otto II. Mit dieser gab Otto dem Bischof von Osnabrück drei Höfe zurück, nämlich die Höfe „Apalderbach“, „Hesnon“ und „Liinga“. Apalderbach ist wohl das heutige Aplerbeck bei Dortmund, Hesnon meint Heessen bei Hamm. Liinga hingegen meint sicherlich Lingen. Was aber bedeutet der Name Lingen? Die Antworten sind zahlreich, und nicht alle können überzeugen.

Die wohl älteste Worterklärung bietet die Machuriussage. Nach dieser herrschte dort, wo später Lingen enstehen sollte, zur Zeit der Christianisierung ein grausamer Häuptling namens Machurius. Schließlich verbündeten sich seine Nachbarn gegen ihn, überfielen mitten in der Nacht seine Burg, erschlugen die Bevölkerung und brannten die Burg nieder. Machurius wurde nirgens gesehen, doch vermutete man, er sei ein Opfer der Flammen geworden. Bald aber setzten sich in der nun wüsten Gegend die Grausamkeiten wie zu Machurius’ Zeiten fort. Tatsächlich war der Häuptling einen Pakt mit dem Teufel eingegangen. Sechs Monate des Jahres musste er dem Teufel zu Eigen sein, die anderen sechs Monate aber durfte er als Geist auf Erden an jedem vorbeiziehenden Wanderer Rache nehmen. Die Jahrhunderte vergingen, und die Gegend gelangte in die Hand des Grafen von Tecklenburg. Ein Sohn des Grafen fasste nach seiner Rückkehr von einem Kreuzzug ins Heilige Land den Enschluss, eben hier eine Burg zu bauen. Doch man riet ihm ab: Wegen Machurius stehe die Gegend in „lingua mala“, in einer schlechten Sprache, und habe also keinen guten Ruf. Der Kreuzfahrer aber winkte ab, ließ tatsächlich eine Burg errichten und nannte sie „lingua mala“. Daraus wurde dann „Lingen“. Dann verbannte er mit tatkräftiger Unterstützung zweier Mönche den bösen Geist in den Lohneschen Sand jenseits der Ems, wo er noch heute sein Unwesen treiben soll.

Die Sage erinnert an das im Mittelalter weit verbreitete Raubrittertum. Der Name Machurius hingegen ist wohl eine Reminiszenz an den holländischen Vizedrosten Michgorius, der in der Oranierzeit in Lingen tätig war und sich in der Lingener Bevölkerung offenbar keiner sonderlichen Beliebtheit erfreute. Die Behauptung, Lingen habe seinen Namen von „lingua“, der lateinischen Bezeichnung für Zunge oder Rede, gehört aber wohl – wie so vieles an dieser Sage – in das Reich der Phantasie.

Eine andere Erklärung lautet, „Lingen“ komme vom altdeutschen „Lünne“, was Wald bedeutet und auch im Namen Haselünne begegnet. Lingen sei also nach dem Lingerwald benannt. Tatsächlich aber wurde der Wald wohl nach der Stadt benannt.

Es gibt weitere Ansätze. Manche führen den Namen auf „ling“ zurück, das keltische Wort für Schlamm, Moder oder Sumpf, und verweisen in diesem Zusammenhang auf den gallischen Volksstamm der Lingonen. Andere vermuteten einen starken Flachsanbau in der Gegend und schlossen daraus auf einen nach Leinen benannten Gau namens „Linigau“, woraus sich „Lingen“ entwickelt habe.

Am wahrscheinlichsten dürfte vielleicht eine Herkunft aus der niederländischen Mundart sein. Dort wird ein Kanal oder Wasserlauf als „linge“ bezeichnet. So kam auch die Linge zu ihrem Namen, ein gut 100 km langer und bereits im 12. Jahrhundert erwähnter Fluss im niederländischen Gelderland. Seine Quelle hat der Fluss in der 46.000 Einwohner großen Gemeinde Lingewaard. Damit spielt der Name Lingen wohl auf die Nähe zur Ems an.

Quellen und LiteraturStadtarchiv Lingen, Lingensches Wochenblatt.Stadtarchiv Lingen, Sammlung Brinker.Duden. Geographische Namen in Deutschland. Herkunft und Bedeutung der Namen von Ländern, Städten, Bergen und Gewässern, Mannheim e.a. 21999, S. 184
Goldschmidt, Bernhard Anton: Geschichte der Grafschaft Lingen und ihres Kirchenwesens insbesondere. Neudruck der Ausgabe Osnabrück 1850, Osnabrück 1975.
Höing, Hubert: Systematischer Überblick über die Geschichte der Stadt, in: Ehbrecht, Wilfried (Hg.): Lingen 975-1975. Zur Genese eines Stadtprofils, Lingen (Ems) 1975, S. 250-268.
Honnigfort, Clemens: Eine neue Deutung der Ortsnamen im Emsland, in: Emsländische Geschichte 5 (1996), S. 167-180.
Möllenbrock, Josef: Lingen als Stadt, Festung und Garnison, in: Kivelingszeitung 1970, S. 9-17.
Mönkehus, Franz: Aus der Geschichte der Stadt Lingen, in: Lingen. Die 600jährige Stadt an der Ems, Hannover 1928, S. 4-7.
Monumenta Germaniae Historica, DO II, Nr. 100, S. 114.


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Die Brotkarten der Stadt Lingen

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