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Geschichte Lingens
Chronik der Stadt Lingen
Nur mit Geleitbrief zum Lingener Markt

A R C H I V A L I E   D E S   M O N A T S   S E P T E M B E R 

von Dr. Stephan Schwenke

Der Lingener Markt als zentraler Ort der Stadt, ist vermutlich um 1225 entstanden. An seiner nordwestlichen Ecke wurde das beherrschend in den Platz hineinragende Rathaus errichtet. Außerdem ist seit 1327 die St. Walburg-Kirche nachgewiesen. Die Kirche wurde 1542 aufgrund von Bauschäden abgebrochen und mit ihrem Material die Burg verstärkt.
Auf dem Markt traf man sich, um Waren zu kaufen und zu verkaufen. Vorwiegend gab es Wochenmärkte oder zu bestimmten Zeiten im Jahr die Jahrmärkte. Während die Wochenmärkte üblicherweise zweimal in der Woche abgehalten wurden, fanden die Jahrmärkte im Frühjahr und im Herbst statt. Sie gingen fast immer aus dem Kirchweihfest hervor und trugen die Namen eines Heiligen. Im Volksmund nannte man sie Kirmes, Kerb oder Kirwei. Verbunden mit dem Markt waren stets Tanz und andere Volksbelustigungen.
Märkte sind vor allem, wie in Lingen, an Schnittpunkten wichtiger Handelswege, an Flußübergängen oder im Anschluss an Burgen oder landesherrlichen Befestigungen entstanden. Die Erteilung des Marktrechtes war im Mittelalter für die weitere städtische Entwicklung und Bedeutung wichtig, denn oftmals ging mit Erteilung dieses Rechtes auch das Stadtrecht einher. Graf Nikolaus II. von Tecklenburg weist in einer Urkunde von 1401 darauf hin, dass der Stadt Lingen ein besonderer Markt, ein Freimarkt, bewilligt wird, dessen Freiheiten bereits seine Eltern und seine Vorfahren gegeben hatten, er dieses Recht aber nun noch mal bestätigt. Es gab aber auch Orte, die kein Stadtrecht erhielten. Diese größeren Dörfer mit Marktrecht nannte man Marktflecken.
Zum Besuch eines Jahrmarktes im Emsland benötigte man im Mittelalter eine besondere Genehmigung in Form eines Geleitbriefes. Diese auf Pergament verfassten Urkunden mit Seiegel gestatteten den Käufern und Verkäufern die Durchquerung anderer Landeshoheiten. So konnten die Bürger aus Osnabrück mit einem solchen Geleitbrief etwa das Gebiet der Tecklenburger Grafen unbeschadet überqueren, um im Emsland Märkte zu besuchen.


F R E I - ,   W O C H E N -   U N D   V I E H M A R K T   I N   L I N G E N 

Außer dem Freimarkt hielt die Stadt Lingen noch zwei Jahrmärkte ab. Den einen am St. Walburgistag (25.2.) und am Tag der „elven dusent megede“, dem Tag der elftausend Jungfrauen (21.10.). Im Jahr 1553 bewilligte die spanische Regierung noch zwei weitere Jahrmärkte, die aber nach Beschwerden von heimischen Handwerkern, die um ihren Absatz fürchteten, wieder zurückgezogen wurden.
Die Wochenmärkte in der Stadt Lingen waren zunächst für den Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und vor allem Vieh bestimmt. Verkaufsplatz war der Markt. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts standen die Pferde auf dem alten Pferdemarkt, die Schweine in der Schlachterstraße. Ferkel wurden in der Bauerntanzstraße gehandelt. 1927 wurde der Plan gefasst, die verschiedenen Märkte zusammenzufassen. Der Viehmarkt wurde auf dem günstig gelegenen Hüttenplatz untergebracht, die Wochenmärkte vom Marktplatz zum alten Pferdemarkt verlegt. Zum Lingener Markt kamen nicht nur Viehhändler aus dem Emsland, sondern auch aus Oldenburg, Ostfriesland, dem Ruhrgebiet, dem Rheinland, sogar aus Süddeutschland. Der Zentralviehmarkt in Lingen entwickelte sich zum größten Viehumschlageplatz der Bundesrepublik mit einer teilweisen Gesamtauftriebzahl von 30000 Stück Großvieh im Jahr.

Literatur:
Stadtarchiv Lingen, Dep. 29b, Nr. 3824, Einrichtung neure Jahrmärkte in Lingen 1724-1727;
Stadtarchiv Lingen, Dep. 29b, Nr. 3625, Vieh- und Jahrmärkte 1725;
Stadtarchiv Lingen, Dep. 29b, Nr. 3657, Schaffung und Ausgestaltung des Zentralviehmarktes 1922-1925;
Baldur Köster, Lingen. Architektur im Wandel von der Festung zur Bürger- und Universitätsstadt bis zur Industriestadt (bis 1930), Berlin 1988;
Wirtschaftsstandort Lingen (Ems), hrsg. von der Stadt Lingen, Lingen 1999,.


Baumeister Hans Lühn
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