Burg der Stadt Tecklenburg

Die Entstehung der Burg

von Ulrich Wiethaup, Lingen

Heute noch thront die Burgruine auf der höchsten Erhebung der Stadt Tecklenburg, ein lebendiges Relikt, da hier die weithin beliebte Freilichtbühne ihre Besucher erfreut. In der Karolingerzeit soll es einen Grafen Cobbo gegeben haben, der als Stammvater gehandelt wird, aber dafür gibt es keine beweisbaren Belege. Cobbo wird einzig in der Chronik des Klosters Herzebrock erwähnt: „… in der Tyt do levede noch Cobbo, de Grave van Teckeneborch … Cobbo, Grave van Teckeneborch, ys de erste Grave gewesen na der Tyt, dat Karolus Magnus dyt Land Westfalen bekert hevet …“ Es wird noch ein Todesdatum angegeben, 30. April 884.[1] Die o.a. Chronik ist jedoch nicht zeitgenössisch, entstand Jahrhunderte später und Cobbo als Graf von Tecklenburg ist somit anzuzweifeln. Er scheint der Idee der Geschichtsschreiber der frühen Neuzeit zu entstammen, ist lediglich Legende. Wahrscheinlich war zu der Zeit die Grafenwürde noch nicht erblich. Auch dafür gibt es keine Belege. Daneben begann der Adel auch erst seit ca. 1100, sich nach dem Stammsitz zu benennen.

[1] Hunsche, Friedrich Ernst, Rittersitze, adlige Häuser, Familien und Vasallen Band 1 S. 15

Simon Graf von Tecklenburg Gründer von Malgarten

Mächtige Herrschaft von Münster über das Emsland bis Ostfriesland

Die Burg wurde vermutlich in der Zeit verstärkten Burgenbaus zwischen 1050 und 1125[1] als weithin sichtbare Höhenburg an einer Passstraße über den Teutoburger Wald gebaut.[2] Vermutlich handelte es sich anfangs um eine steinerne Turmburg mit Mauer und Graben. Als Bauherr wird der Graf von Zutphen (Zütphen) vermutet, der nachweislich im nordwestfälischen Raum begütert war.[3] Nach Spannhoff müsste es Otto der Reiche († 1113) gewesen sein.[4] Als nämlich später Graf Simon von Tecklenburg die Burg für 3300 Mark verkaufte, bekam er vom Verkaufspreis nur 2000 Mark und der Graf von Geldern 1300 Mark. Es liegt also nahe, dass die Burg bis dato gemeinsames Eigentum war und somit von ihrem Rechtsvorgänger und Erblasser ererbt worden war. Das spricht wiederum für Otto als Erbauer, denn seine Erbtochter Ermengarde war mit dem Grafen von Geldern verheiratet.

Schriftlich nachweisen lässt sich die Burg erstmals im Jahr 1139 mit der Nennung des Grafen Ekbert (Egbert) von „Tengenburc“ (=Tecklenburg) in einer Urkunde des Erzbischofs von Mainz. Weitere Urkunden verweisen auf eine Verwandtschaft Ekberts mit den Grafen von Saarbrücken hin. Sehr wahrscheinlich war Erzbischof Adalbert Ekberts Bruder und Graf Friedrich von Saarbrücken beider Vater.[5] Ekbert könnte durch verwandtschaftliche Beziehungen und Erbrechte in den Norden Westfalens gelangt sein[6], wo er auch Inhaber der Vogtei[7] über Stadt und Bistum Osnabrück, sowie  Inhaber der Vogtei über Bistum und Stift[8] Münster. Er und seine Nachfahren werden als die Ekbertiner (Ekbertinger) bezeichnet. Ekbert war verheiratet. Nach neueren Veröffentlichungen von Diana Zunker[9] soll es mit einer ungenannten Tochter der Jutta von Geldern (verheiratet mit Walram Paganus von Limburg) gewesen sein. In einer Osnabrücker Urkunde wird Ekberts Frau „Adelheid“ genannt. Zunker vermutet, dass Juttas Tochter wahrscheinlich aus einer ersten Ehe hervorging. Diese Ehe könnte mit Otto von Zutphen bestanden haben und somit eine Adelheid von Zuthphen zur 1. Gräfin von Tecklenburg geworden sein. Zwar gibt es keine weiteren Quellen, die Adelheid als Tochter von Otto von Zutphen bezeichnen, aber es gibt zumindest Anzeichen. Beispielsweise tragen die Namen der vier Kinder alle Zutphener Vornamen und keinen aus dem Saarbrücker Grafengeschlecht.[10] Auch könnte sie als Zutphener Erbberechtigte den Tecklenburger Besitz mit in die Ehe gebracht haben und nicht Ekbert. Forscht man im Internet nach Ekbert und Adelheid, findet man auch dort mur Hypothesen. Da werden Ekbert zwei Ehen nachgesagt, eine mit N.N. von Limburg als Tochter von Walram Paganus, eine mit Adelheid von Zutphen. Auch eine Adelheid von Geldern wird erwähnt, die wohl identisch mit der Zutphenerin sein müsste, da auch eine Adelheid von Zutphen-Geldern im Gespräch ist. Es gibt unterschiedlichste Geburts- und Hochzeitsdaten. König Konrad III. soll Einfluss auf die Verheiratung seines entfernten Verwandten Ekbert genommen haben, um einen Verbündeten im Sachsengebiet zu haben. Auch das würde meiner Meinung nach für Adelheid von Zutphen als Ekberts Frau sprechen. Das alles ist jedoch ebenso wenig gesichert, wie die Antwort, warum Ekbert den Titel „Graf von Tecklenburg“ annehmen durfte.

In den Urkunden, die bei Ekberts Bruder, dem Bischof Adalbert II. von Mainz, verfasst wurde, steht für Tecklenburg „Tengenburc“. Diese fälschliche Bezeichnung, die sonst nirgends auftaucht, ist wohl entstanden, weil die Mainzer mit dem eigentlichen Namen nichts anfangen konnten. In einer Urkunde von 1184 ist von „Tikeneburgense castrum“ die Rede, später auch von Tikkeneburg. Tikkeneburg ist die Ziegenburg oder der Ziegenberg[11], denn Tikken waren im Altniederdeutschen kleine Ziegen. Wahrscheinlich handelt es sich um einen „Tikkenberg“, auf dem die Anlage errichtet wurde.[12]

Das enge Nebeneinander der Besitzungen von Ravensbergern und Tecklenburgern lässt auf eine Erbteilung nicht lange vor 1139 schließen.[13] (War die Gräfin Jutta von Calvelage-Ravensberg gar Adelheids Schwester und ebenfalls Zutphener Erbin?) Der spätere Graf Otto II. von Tecklenburg bezeichnete jedenfalls den Grafen von Ravensberg als seinen „Blutsverwandten“.[14] Das würde die territorialen Konflikte erklären, wegen denen die Grafschaften Tecklenburg und Ravensberg an die hundert Jahre in Fehde lagen. Dennoch zog Egbert 1141 mit Otto von Ravensberg gegen Egilmar II., den Grafen von Oldenburg. Die wohl von Egilmar provozierte Fehde endete mit der Verheiratung von Egberts Sohn Heinrich mit Eilike (Heilwig), der Tochter des Oldenburger Grafens. Als Heiratsgut brachte sie großen Landbesitz westlich von Oldenburg und das Saterland ein. Die Tecklenburger hatten nun von Münster über das Emsland mit Lingen bis Ostfriesland und weiter östlich bis Cloppenburg das Sagen. Um Tecklenburg wurden zur Sicherung von Zuwegen einige Adelshöfe als Vasallen zur Sicherung dieser Wege eingesetzt, wie z. B. die Anwesen Kieseling (auch Keselinc), von Horne (Haus Marck), Meeseburg, Kronenburg, Hülshoff. Egbert verstarb wahrscheinlich 1150 im Alter von 60 Jahren. Etwa in dieser Zeit wurde Lingen am heutigen Standort von den Tecklenburgern begründet.

Heinrich I., Egberts Sohn, wurde sein Nachfolger. Er verstarb 1156 mit nur 41 Jahren. Heinrich baute die Hausmacht beständig aus. 1154/55 zog er mit Kaiser Barbarossa in den ersten Italienfeldzug.

Simon I., Heinrichs Sohn, war bis 1202 Graf von Tecklenburg. Er war am Ende 62 Jahre alt. Simon war zweimal verheiratet, mit Sophia von Schaumburg und mit Oda von Altena Isenberg. Aus der Ehe mit Oda stammen der Nachfolger Otto und Adolf, der spätere Bischof von Osnabrück.[15] In einer Urkunde verkündet Simon, Graf von Tecklenburg, dass ein Benediktinerinnen-Kloster gegründet werden soll.[16] Für dieses Kloster in Essen bei Cloppenburg übernahm Simon 1175 die Vogtei, ebenso für das Kloster Metelen. Das Kloster Essen brannte 1194 ab und wurde nach Malgarten bei Bramsche/Osnabrück verlegt. Mehrere Fehden zwangen Simon, seine Burg an den Erzbischof Philipp von Köln zu verkaufen und sie als Lehen zurückzunehmen. Er wurde also Vasall des Erzbischofs. 1173 verliert Simon die Stiftsvogtei Münster. Eine Quelle besagt, er hätte die Vogtei an den Bischof von Münster verkauft. Dafür bekam er 1182 die Stiftsvogtei Osnabrück. 1189 erwarb er die Herrschaft Ibbenbüren. Nachdem Simon zunächst fest an der Seite des Welfenherzogs Heinrich der Löwe gestanden hatte, war er jahrelang auch eine treue Stütze der Staufer, kämpfte 1174 mit Kaiser Barbarossa gegen Herzog Heinrich und nahm 1189 mit dem Kaiser am 3. Kreuzzug teil, in dem Barbarossa bekanntlich ums Leben kam. Simon überlebte als einer von wenigen. Sein letzter Kampf führte ihn 1202 im Zuge der oben angesprochenen Fehde, in der es um Gebiete nördlich der Hase ging, gegen die Ravensberger. Hier fand er den Tod. Er wurde im Kloster Malgarten begraben.

Simons Sohn Heinrich wird ab 1202 als Mitregent gehandelt, verstarb aber schon 1204.[17] So beerbte Otto I. von Tecklenburg 19-jährig seinen Vater Simon. Da Simons Truppen die Ravensberger besiegt hatten, fielen viele bischöfliche Lehen und Rechte an Tecklenburg und Otto stand plötzlich mächtiger da als alle anderen Ekbertinger. Als Otto im Jahr 1225 seinem Cousin Friedrich von Isenberg, dem Mörder des Kölner Erzbischofs[18], Asyl gewährte, wurde er vom Papst exkommuniziert und samt seiner Burgmänner geächtet. 1227 belagerte der neue Erzbischof Ottos Burg, jedoch erfolglos. Erst später, 1231 und 1233, gelang es Graf Otto durch Verhandlung und Ausgleich die politische Ordnung wiederherzustellen und den Kirchenbann aufzuheben.[19] Dadurch verlor er Ravensberg wieder und 1236 war auch die Vogtei über das Stift Osnabrück nach einer Fehde mit dem Bischof weg. 1240 ließ Otto das Zisterzienserinnenkloster Leeden errichten. Verschiedene andere Klöster, wie Bersenbrück, Malgarten, Marienfeld und St. Aegidius in Münster profitierten von Ottos Stiftertätigkeit gegenüber geistlichen Institutionen.[20] Die Gründung des Klosters Gravenhorst fällt ebenfalls in die Zeit Ottos, verantwortlich dafür war jedoch ein Tecklenburger Lehnsmann, Konrad von Brochterbeck. In Ottos Zeit fällt auch die erste Erwähnung der Siedlung Tecklenburg im Jahr 1226, ein „Suburbium“, also eine Siedlung außerhalb und unterhalb der Burg.[21] Otto hatte einen Sohn, der als Heinrich III. von Tecklenburg seinen Vater beerben sollte. Heinrich heiratete 1244 Jutta von Ravensberg, die die Freigrafschaft Sögel, Besitzungen um Haselünne, Güter um Bersenbrück, sowie Vechta und Vlotho mit in die Ehe brachte. Schon 3 Jahre nach der Eheschließung starb Heinrich im Alter von nur 30 Jahren. Seine Frau erhielt ihr Erbe zurück, heiratete noch einmal und verkaufte ihren Besitz an den Bischof von Münster. Dadurch wurde die Grundlage für das Niederstift Münster gelegt, heute auch Oldenburger Münsterland genannt.

Ein nennenswertes Ereignis fand am 22. Mai 1246 auf dem Territorium der Grafschaft statt. In Ladbergen wurde der erste westfälische Städtebund zwischen Osnabrück, Münster, Herford und Minden geschlossen. Dieser Bund ist als einer der Vorläufer der Hanse zu betrachten.

Otto I. verstarb am 11. September 1263. Der letzte Ekbertinger wurde 78 Jahre alt. Da die Ehe seines Sohnes keine Kinder hervorgebracht hatte, ging die ganze Grafschaft Tecklenburg über Ottos Tochter Heilwig an deren Ehemann Otto II. von Bentheim aus dem Grafenhaus Bentheim-Holland, der dann Otto II. von Bentheim-Tecklenburg genannt wurde.

Nach dem Tod Otto II. übernahm 1279 sein Sohn Otto III. von Tecklenburg die Grafenkrone. Er musste wegen starker Verschuldung 1282 die Burg Tecklenburg an den Bischof von Osnabrück verpfänden. Das erklärt auch den Sinn der Urkunde aus dem Jahre 1292, in der Ritter und Knappen des Grafen versprechen, in den Burgen des Stiftes Osnabrück Wohnung zu nehmen und der Osnabrücker Kirche auf Erfordern Beistand zu leisten.[22] Neben den oben erwähnten Burgmännern Keselinc und von Horne werden hier noch Budden, von Bramhorne, von Lon, von Mettingen, von Winkel, Vos und Ungenade erwähnt, sowie auch ein Knappe Konrad von Strothus (de Wechte) erwähnt, der wahrscheinlich mit dem heutigen Hof Strothmann/Rickermann in Verbindung steht.[23] Otto III. war beim Erstellen der Urkunde bereits verstorben. (1285)

Otto IV. († 03.05.1307) folgte seinem Vater als Graf von Tecklenburg-Ibbenbüren und als Vogt von Metelen und Malgarten. Er heiratete 1296 Beatrix von Rietberg. Um sein Territorium auszudehnen, befestigte er sein Land und baute die Burgen in Cloppenburg, bei Bad Essen, Bevergern, Lingen oder das Gut Hange bei Freren. Weiterhin konnte er, d.h. eigentlich sein Vormund und Onkel Eberhard von der Mark, die verpfändete Tecklenburg zurückerwerben. Otto führte mehrere Fehden gegen die Bischöfe von Osnabrück und Münster sowie gegen die Grafschaft Ravensberg. Um dies zu finanzieren, verpfändete er einen Großteil der Vogtei Metelen.

Nach dem Tod Ottos IV. war sein Nachfolger noch minderjährig, so dass Mutter Beatrix zunächst die Regierung übernahm. Der Sohn übernahm schließlich als Otto V. die Grafschaft. Er heiratete Kunigunde von Dale. 1329 starb er kinderlos. Als Erbe war bereits im Vorfeld der älteste Neffe Ottos IV., Nikolaus I. von Schwerin bestimmt worden. Ab 1328 kamen die Grafen von Tecklenburg aus dem Haus Schwerin. Nikolaus stammte aus der Ehe von Richardis, Tochter von Otto IV., mit Gunzelin VI. von Schwerin, der zwischenzeitlich schon für den kranken Tecklenburger regiert hatte. Nikolaus war verheiratet mit Helene von Oldenburg-Altenbruchhausen. Auch Nikolaus war beim Tod seines Vater noch minderjährig und wurde bis zu seiner Volljährigkeit von Graf Adolf von der Mark als Vormund vertreten. Nikolaus versuchte, die Nordgrenze zu festigen. 1338 ließ er die Befestigung von Friesoythe ausbauen und gestattete den Bürgern, einen Teil ihrer Abgaben zum Unterhalt der Stadtmauer zu verwenden. Weiter nördlich sicherte die „Schnappenburg“ die Grenze gegen Friesland. Nikolaus verstarb 1367.[24]

1367 hieß der nächste Graf Otto VI. von Tecklenburg – Schwerin († um 1395) . Er setzte die zahlreichen Fehden seiner Vorgänger fort, begleitet von Räubereien und Übergriffen. 1365 sicherte er sich durch Heirat mit Adelheid zur Lippe, Erbin von Rheda, die Herrschaft Rheda. Otto wurde nach schwerem Familienkonflikt im Jahr 1388 von seinem Sohn Nikolaus aus der Tecklenburg vertrieben und hielt sich danach vornehmlich in Lingen, Cloppenburg und Rheda auf.[25] Gegen Ende seines Lebens verlor er Cloppenburg und Friesoythe an eine Koalition der Bischöfe von Osnabrück und Münster[26], die 1385 ein Bündnis gegen die Tecklenburger geschlossen hatten. Auch die Schnappenburg wurde im Zuge der Auseinandersetzung zerstört.

Sohn Nikolaus II., Graf von 1388 – 1426, verheiratet mit Elisabeth von Moers-Nassau, war gezwungen, den Krieg gegen die Koalition aus  den Hochstiften Münster (Bischof Otto IV.) und Osnabrück (Bischof Dietrich) fortzusetzen. Um 1400 überfiel er das Stift Münster, worauf in einem bischöflichen Gegenschlag die Burgen Bevergern, Tecklenburg und Lingen erobert wurden. Im Vertrag von Oktober des Jahres 1400 verlor Nikolaus die Gebiete um Cloppenburg und Friesoythe endgültig, sowie Löningen, Sögel, Bevergern, Riesenbeck, Hörstel, Hopsten, Rheine und Gebiete um Saerbeck und Greven. Damit ging etwa die Hälfte des Tecklenburger Gebietes an das Hochstift Münster und wurde auf zwei nur durch einen schmalen Landstreifen verbundene Teile um Lingen (spätere Niedergrafschaft) und um Tecklenburg beschränkt.[27] Fortan wurden die Landstände im Landtag der Grafschaft nur noch durch zehn landtagsfähige Güter[28] vertreten: Haus Marck, Haus Kappeln (bei Westerkappeln), Haus Hülshoff (bei Tecklenburg), Haus Kirstapel (bei Lienen), Haus Kronenburg (bei Lengerich), Haus Langenbrück (bei Westerkappeln), Haus Meesenburg (bei Ledde), Haus Schollbruch (bei Lengerich), Haus Velpe (bei Westerkappeln) und Haus Vortlage (bei Lengerich)[29] Es gab auch nicht landtagsfähige Güter, wie z. B. das Haus Intrup oder das Haus Ahe in Settel. 

1426–1450 regierte Otto VII., Nikolaus einziger Sohn, die Grafschaft Tecklenburg. Wie sein Vater führte er ständig Fehden, um die Verluste seines Vaters rückgängig machen, was ihm jedoch nicht gelang. So musste er sich weiter verschulden und beschleunigte den Niedergang der Grafschaft. Er war zweimal verheiratet, zuerst mit Ermengard von Hoya, anschließend mit Adelheid von Plesse.[30]

Von 1450–1508 war Ottos Sohn aus erster Ehe, Nikolaus III., regierender Graf von Tecklenburg. Sein Beiname war „der Böse“. Er dachte nur an sein Wohlergehen, verbrauchte sehr viel Geld, das er erbarmungslos bei seinen Untertanen eintrieb. Seine Streitigkeiten mit seinem Vater nahmen Ausmaße an, dass Nikolaus diesen 1450 absetzte und gefangen nehmen ließ. 1485 verjagte er seine Frau Mechtild, genannt Metta, unter Hohn und Spott vom Hofe und trieb sie in die Arme ihrer Familie von Bergh-´s Heerenberg zurück.[31]  1489 übertrug er die Herrschaft Rheda an seinen Sohn Nikolaus. Dessen älterer Bruder Otto war für eine geistliche Laufbahn vorgesehen. Dieser brach jedoch seine Ausbildung ab und heiratete 1492 Irmgard von Rietberg. Der junge Nikolaus sah nun sein Alleinerbe in Gefahr und da er sich auch von seinem Vater vernachlässigt fühlte, setzte er  Nikolaus III.  Anfang 1493 ab  und ließ ihn in das Gefängnis seiner eigenen Residenz Tecklenburg sperren.[32] Im gleichen Jahr wurde unter Vermittlung des Herzogs von Jülich-Berg der Vertrag zu Hamm zwischen dem Grafen Nikolaus dem Älteren auf der einen Seite und seinen Söhnen Otto und Nikolaus auf der anderen Seite geschlossen. Graf Nikolaus III. verzichtete auf die Regierung und übergab den beiden Brüdern die Grafschaft Tecklenburg und die Herrschaft Rheda. Ihm und nominell auch seiner Frau wurde die Herrschaft über Schloss, Stadt und Amt Lingen überlassen. Er dachte jedoch auch jetzt nicht daran, seine Frau Metta bei sich aufzunehmen. Sie lebte fortan bei ihren Söhnen auf der Tecklenburg.[33]

Im Juni des Jahres 1496[34] starb Graf Nikolaus III. Nachdem die Herrschaft Lingen für zwei Jahre wieder mit Tecklenburg vereint war, teilten die Söhne 1498 sämtlichen Besitz. Nikolaus der IV. erhielt die Grafschaft Lingen mit den Kirchspielen Lingen, Baccum, Bramsche, Plantlünne, Beesten, Schapen, Freren, Thuine, Lengerich, Bawinkel, Recke, Mettingen, Ibbenbüren, Brochterbeck und zog mit seiner Mutter in die Lingener Burg. Lingen wurde vor dem Jahr 1498 als „Haus“, „Herrschaft“ oder „Amt“ bezeichnet. Als Graf Nikolaus IV. dort die alleinige Regierung übernahm, benannte er sich stets als „Graf zu Tecklenburg“, nicht etwa als „Graf zu Lingen“. Da er aber den Titel „Graf“ führte, der ihm in dieser Zeit als Sohn eines Grafen zukam, übertrug sich von seiner Person die Bezeichnung auf sein Herrschaftsgebiet, ohne dass diese durch einen besonderen Rechtsakt verliehen worden wäre. Seit dieser Zeit spricht man also oft unrechtmäßig von einer „Grafschaft Lingen“.[35] 1518 eskalierten Streitigkeiten zwischen Nikolaus und Bischof Erich II. von Münster. Nikolaus ließ Kaufleute auf münsterschem Gebiet, das schon jenseits der Ems begann, überfallen. Für Bischof Erich hatte Lingen eine strategische Bedeutung, lag es doch zwischen Ober- und Niedergrafschaft Münster. Am 6. November 1518 kam ein Bote des Bischofs mit einem geschlossenen Kastenwagen nach Lingen und passierte das Stadttor. In der Stadt angekommen sprangen plötzlich Fußknechte aus dem Wagen, überwältigten den Pförtner und ließen den Bischof und seine Männer Stadt und Burg besetzen. Nikolaus gelang in höchster Eile die Flucht – „nackt und bloßen Hauptes“, wie es in Quellen heißt – durch das Wasser des Schlossgraben. Bei Herzog Johann von Kleve fand er Zuflucht.[36] Johann protestierte scharf gegen die Besetzung und versuchte gemeinsam mit dem Erzbischof von Köln zu vermitteln. Angesichts dieses mächtigen Gegners zog sich der Bischof von Münster auch auf Anraten des Domkapitels wieder zurück und Nikolaus wurde 1520 wieder in seinen Rechten eingesetzt. Da Nikolaus wieder rückfällig wurde, verlor er den Herzog von Kleve als Verbündeten, unterstellte  sich aber schließlich 1526 dem Herzog von Geldern, einem Verwandten, als Vasall und trug ihm die Grafschaft als Lehen auf. Streng genommen durfte er das gar nicht, denn vertraglich war er gar nicht der Besitzer der Grafschaft, sondern lediglich nutzungsberechtigt.[37] Nikolaus blieb zwar bis zu seinem Tod katholisch, jedoch beschnitt er die Rechte des Klerus, übertrug kirchlichen Besitz an weltliche Instanzen und verteilte Benefizien[38] an weltliche Personen.[39]

Die Kirchspiele Westerkappeln, Wersen, Lotte, Leeden, Tecklenburg, das westfälische Lengerich, Lienen, Ladbergen und die Exklave Schale erhielt bei der Teilung Nikolaus Bruder Otto VIII.[40], zusammen mit Rheda. Otto war verheiratet mit Irmgard von Rietberg und regierte bis zu seinem Tod 1534. Als sein Bruder Nikolaus den Vater einkerkern ließ, befand sich Otto in Rietberg. Da er im Grafen von Rietberg und im Bischof von Osnabrück starke Verbündete hatte, konnte er den Kampf um sein Erbe aufnehmen, der ihn schließlich zum Grafen von Tecklenburg machte. Um die an seinen Bruder abgetretene Herrschaft Lingen wieder mit Tecklenburg zu vereinen, integrierte er mächtig gegen seinen Bruder Nikolaus IV., damit dieser nicht heiratet und ohne Nachkommen bleibt. 1508 ließ er Nikolaus sogar für ein Jahr auf der Tecklenburg einkerkern. Nikolaus heiratete trotzdem die Gräfin Eva von Nassau-Beilstein. Ihrer beider Töchter lebten jedoch nicht lange und Eva verstarb recht früh. [41] Nach ihrem Tod im Jahre 1515 kam es zur friedlichen Einigung zwischen den Brüdern Otto und Nikolaus, in der Nikolaus jedoch auf die Kirchspiele Recke, Mettingen, Ibbenbüren und Brochterbeck zu Gunsten Ottos verzichten musste.

Ottos Sohn Konrad (*1501, †1557) wurde sein Nachfolger. Konrad trug auch den Beinamen „der dolle Cord“, weil er wohl genauso streitsüchtig wie sein Onkel und sein Großvater war, daneben soll er auch brutal und gewalttätig gewesen sein. Nach Auskunft vieler Quellen soll Konrad 1527 in der Grafschaft die Reformation eingeführt haben. Christof Spannhoff stellt das in seinem Buch „Kleine Geschichte der Reformation in der Grafschaft Tecklenburg“ wohl zu Recht in Frage, denn in jenem Jahr regierte schließlich noch Konrads „altgläubiger“ Vater.[42]

Konrad machte seine Junkerausbildung am Hof des Landgrafen Philipp von Hessen. Beide besuchten den Reichstag zu Worms, wo Martin Luther vorgeladen war und anschließend mit dem Reichsbann belegt wurde. Philipp bekannte sich recht früh zum lutherischen Bekenntnis und führte 1526 die Reformation in Hessen ein. Konrad heiratete 1527 Philipps Cousine Mechthild, eine ausgetretene Augustiner-Chorfrau aus dem Kloster Weißenstein bei Kassel, und zog mit ihr nach Rheda, dessen Herrschaft ihm von seinem Vater übertragen war. Unter dem Einfluss von Philipp und Mechthild war Konrad zum überzeugten Protestanten geworden. Johann Pollius, ein ehemals katholischer Geistlicher, der sich zur Lehre Luthers hingewendet hatte, wurde 1527 als Hofprediger nach Rheda berufen. Er wirkte eifrig für die Protestantisierung der tecklenburgischen Lande und war zugleich aber auch in politischen Dingen als Geschäftsträger des Grafen tätig. Er war auch maßgeblich an der Erstellung der ersten lutherischen Kirchenordnung beteiligt. Schließlich wurde er Pfarrer an der evangelischen Katharinenkirche in Osnabrück.[43] Der lutherische Prediger Hermann Keller wurde schon früh in Tecklenburg eingesetzt. Er gilt nach Johann Münster zu Vortlage als maßgeblicher Reformator der Grafschaft Tecklenburg.[44] In Lingen schließlich wurde der evangelische Prediger Jacob Leidigen[45], vormals Augustinermönch in Lippstadt, eingesetzt, der mit einer unehelichen Tochter von Konrad verheiratet war. Weil von Luther und auch von den Anhängern der Reformation die Verehrung von Heiligen und ihrer Abbilder abgelehnt wurde, ließ Konrad die Margarethenstatue aus der Kirche des westfälischen Lengerich entfernen und den Margarethenkult beenden, aus dem die Stadt lange Profit zog. Das Ereignis ist auch als „Lengericher Bildersturm“ bekannt. Zur Reformation gehörte auch das Schließen von Klöstern, z.B. in Schale, oder das Umwandeln des Klosters Leeden in einen Damenstift.[46] Ob Konrad bei der Durchsetzung der Reformation wirklich mit Bedrohungen, Folter und Enthauptungen handelte, wird heute gerne in Frage gestellt, da die berichtenden Quellen fast nur auf katholischer Seite zu finden sind. 1543 erließ Konrad die erste eigene (lutherische) Kirchenordnung[47], die auch dazu dienen sollte, die kirchliche Oberhoheit des Bischofs von Osnabrück abzuschütteln.

1538 trat er dem Schmalkaldischen Bund bei, den die evangelischen Fürsten zum Schutz ihres Glaubens gegen den Kaiser gegründet hatten. Als Nikolaus IV. 1541 unverheiratet und ohne legitime Nachkommen starb, erbte Konrad, sein Neffe, die Grafschaft Lingen, die er ungeachtet der von Nikolaus getätigten Lehensübertragung wieder in die Grafschaft Tecklenburg integrierte.

Im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 geriet er, obwohl nicht direkt an den Kämpfen mit seinen Verbündeten beteiligt, in Opposition zum katholischen Kaiser Karl V., von dem er im November 1546 geächtet wurde. Der Kaiser erklärte auch Konrads gesamten Besitz für verlustig und übertrug ihn an Maximilian Egmond, Graf von Büren, seinen Heerführer und Statthalter in Friesland, Groningen und Overijssel. Maximilian sollte die gesamte Grafschaft Tecklenburg einnehmen und entsandte ein Heer unter Jobst von Croningen. Dieser hinterließ im Januar 1547 große Verwüstung im Tecklenburger Land, setzte unter anderem Lengerich bei Tecklenburg in Brand. Konrad musste sich angesichts der Übermacht unterwerfen und schloss in Lengerich einen Kapitulationsvertrag mit dem Obersten Christoph von Wrisberg, der u.a. die Zahlung von 15.000 Talern beinhaltete. Konrad versuchte noch, seine Grafschaft zu retten und ersuchte bei Karl V. die Erlangung der Verzeihung, aber dieser wollte, dass Konrad nicht zu glimpflich davon kam und verwies ihn an den Grafen von Büren.[48] Durch Vermittlung des Kölner Erzbischofs Adolf von Schaumburg und des Grafen Wilhelm von Nassau gelang es Konrad zwar im Jahre 1548, einen Vertrag mit dem Grafen von Büren auszuhandeln und die Grafschaft Tecklenburg, die Exklave Schale sowie die Herrschaft Rheda zurückzuerhalten, aber die Herrschaft Lingen, die nunmehr auch offiziell als Grafschaft Lingen bezeichnet wurde, musste er unwiderruflich abgeben, inklusive Ibbenbüren, Recke, Mettingen und Brochterbeck.[49] Karl V. berief sich dabei auf die Lehensübertragung durch Nikolaus IV. an das Herzogtum Geldern, dessen Besitzer er inzwischen selbst geworden war.

Konrads einzige Erbin war 1557 seine Tochter Anna. Sie hatte 4 Jahre zuvor Everwin (Eberwin) III. von Bentheim-Steinfurt geheiratet. So fiel Tecklenburg zum wiederholten Male an das Haus Bentheim. Everwin soll bei der Hochzeit erst 18 Jahre alt gewesen sein, Anna 21.[50] Die Beweggründe für diese Verbindung waren konfessioneller und insbesondere territorialer Art. Die Vermählung war für beide Grafenhäuser derart wichtig, dass in den vertraglichen Eheverhandlungen neben Morgengabe (Zuwendung von Geld oder Gütern des Bräutigams an die Braut) und Wittum (Witwengeld) auch ein weiterer Passus aufgenommen wurde. Danach sollte der jüngere Bruder Arnold bei einem vorzeitigen Ableben Everwins die Ehe mit Anna eingehen. Nach dem Tod des Grafen Konrad von Tecklenburg kam es zur Zerrüttung der gräflichen Ehe. Everwin beanspruchte von seiner Frau die Regierungsgewalt über die Grafschaft Tecklenburg und die Herrschaft Rheda, Gräfin Anna wollte jedoch die Regierungsgeschäfte selbst führen. Daraufhin ließ der Graf seine Frau in ihrer eigenen Residenz, der Tecklenburg inhaftieren. Nur durch das Eingreifen des Grafen Christoph von Oldenburg, Annas Cousin, konnte diese Inhaftierung beendet werden. Auch kam es zu Vorwürfen des Ehebruchs gegen Everwin. Die Tecklenburger Ritterschaft schlug sich auf die Seite der Gräfin Anna und warf dem Grafen vor, er habe „mit anderen Weibern als der Gräfin Beylager“ gehalten und somit die Ehe gebrochen. Überdies soll Everwin einen Hang zum Luxus gehabt haben, denn die Gräfin warf ihm vor, zu viele kostbare Pferde zu unterhalten und einen Hang zu teuren Porträts. Unter Mithilfe umliegender Territorialfürsten konnte der Ehestreit in einem Eherezess beigelegt werden.[51] Die Tragödie endete schließlich mit dem Tod Everwins im Jahr 1562. Der Graf starb im Alter von 26 Jahren an der „Französischen Krankheit“, der Syphilis.[52]

Anna heiratete ihren Schwager wohl nicht und regierte in Vormundschaft für ihren Sohn Arnold elf Jahre im ganzen Herrschaftsgebiet allein weiter. In dieser Zeit wehte ein neuer, ein friedlicher Wind durch das Land. Die Gräfin führte keine Kriege mehr, sondern Verhandlungen. Die Verteidigungsanlagen der Tecklenburg ließ sie kurzerhand einebnen. Unter ihrer Regie wurde die wehrhafte Burg zu einem prächtigen Schloss umgebaut.

Überall in Westfalen loderten vor allem im 16. und 17. Jahrhundert die Scheiterhaufen auf. Wie eine Epidemie verbreitete sich ein mörderischer Hexenwahn. In katholischen wie evangelischen Landstrichen wurden zahllose Menschen, meist aus der bäuerlichen Bevölkerung, unschuldig zu Tode gequält. Männer waren unter den Opfern, sogar Kinder, vor allem aber Frauen. Die Grafschaften Bentheim, Tecklenburg und Steinfurt sowie Herrschaft Rheda blieben allerdings völlig ausgespart. Zu verdanken war dies vor allem der Gräfin Anna von Tecklenburg, als sie die Geschicke der Grafschaften leitete. Sie erwarb einschlägige medizinische Heilkenntnisse und stand unter ihren Zeitgenossen in dem Ruf, eine geschickte Heilerin zu sein. Auf der Tecklenburg gab es sogar eine reiche Sammlung von Arzneien, von Salben, Pillen und Tinkturen. Höchstwahrscheinlich war diese Apotheke, für damalige Verhältnisse ungewöhnlich auf einer Burg, von der Gräfin Anna eingerichtet worden.[53] Anna behielt die Regentschaft für Bentheim und Steinfurt bis 1573 und für Tecklenburg und Rheda bis zu ihrem Tod 1585. Sie soll an der Pest verstorben sein.

Annas Sohn, Arnold II. (*1554), wurde der nächste Graf von Bentheim-Tecklenburg-Steinfurt. Seine Ehe mit Magdalena von Neuenahr-Alpen hatte ihm noch den Titel Graf von Limburg eingebracht. Arnold hatte an der reformierten Akademie in Straßburg studiert und führte1588 den reformierten Glauben nach Calvin und Zwingli in Bentheim und Tecklenburg ein. Während seiner Regierungszeit hatte er sich mit einem Erbprozess um die Grafschaft Tecklenburg mit den Grafen von Solms-Braunfels auseinanderzusetzen. (siehe unten) Arnold starb 1606 an den Folgen von Epilepsie.

Danach wurde der Besitz unter Arnolds Söhnen aufgeteilt. Dabei erhielt Adolf (*1577 in Steinfurt, † 1623) Tecklenburg und Rheda.  Er heiratete 1606 kurz nach dem Tod seines Vaters Margaretha von Nassau-Wiesbaden. Adolf tat erstmals viel für die Bildung. Das Graf-Adolf-Gymnasium ist nach ihm benannt. Auch die Bauerschaftsschule Wechte geht auf ihn zurück. 1622 gewährte Adolf den Bewohnern Tecklenburgs Rechte, die nur einer Stadt zukamen: zwei Bürgermeister, einen Rat, ein Rathaus sowie das Führen eines Bürgerbuches, in das jeder Neubürger eingetragen werden musste.[54]

1623 folgte Adolfs Sohn Moritz von Bentheim-Tecklenburg (*1615 auf Schloss Rheda, † 1674 in Tecklenburg) auf den Grafenthron. Er war beim Tod seines Vaters erst 8 Jahre alt. Erst 1634 übernahm er von seiner Mutter die Herrschaft in Tecklenburg. Durch den 30-jährigen Krieg war die Grafschaft hoch verschuldet. Moritz versuchte, die Wirtschaft durch die Förderung der Leinenproduktion anzukurbeln. Er und seine Frau Johanna Dorothea von Anhalt-Nassau hatten 10 Kinder. 1669 erweiterte Moritz die Stadtrechte für Tecklenburg mit dem Recht, eigene Steuern zu erheben, mehr Befugnisse im Gerichtswesen und mit der Einrichtung einer Stadtwache.[55]

1674 wurde der älteste Sohn Johann Adolf (*1637 auf der Tecklenburg, † 1704) Graf von Tecklenburg. Er trat die inzwischen durch Heirat hinzugekommenen Gebiete, Grafschaft Limburg, Wevelinghoven und Gronau an seinen Bruder Friedrich Moritz ab. Er selbst heiratete 1664 Johanna Dorothea Gräfin zur Lippe-Alverdissen. Mit dieser hatte er zwei Töchter. Schon bald kam es zu einem schweren Ehekonflikt. Johann Adolf warf seiner Frau einen unzüchtigen Lebenswandel und Ehebruch vor. Sie wurde auf Schloss Hohenlimburg festgesetzt. Der Scheidungsprozess vor dem Konsistorium in Rheda zog sich über Jahre bis 1676 hin. 1679 heiratete Johann Adolf Charlotte Landgräfin von Hessen-Eschwege, verwitwete Herzogin von Sachsen-Weißenfels. Mit ihr hatte er zwei Söhne und vier Töchter, was ihn nicht davon abhielt, wieder ein Scheidungsverfahren einzuleiten. Die Scheidung erfolgte 1693.

Seit Generationen schwelte ein Erbschaftsstreit mit dem Haus Solms-Braunfels (in Hessen gelegen). Die Schwester des dollen Cord (Konrad) hatte Philipp von Solms-Braunfels geheiratet. Ihr war ein Brautschatz von 6000 Goldgulden gegen den Verzicht aller Erbansprüche zugesprochen worden. Philipp von Solms hatte schon den Verzicht aller Erbansprüche unterschrieben, jedoch blieb Konrad 2000 Goldgulden schuldig, weshalb er sich zu einer Verzinsung mit jährlich 100 Goldgulden verpflichtete. Philipps Sohn, Konrad von Solms-Braunfels, focht jedoch den Erbverzicht seiner Eltern an und zog 1577 mit einer Klage vor das Reichskammergericht, um seinen vermeintlichen Anteil am Erbe einzuklagen.[56] Der Prozess zog sich über 100 Jahre hin. 1686 sprach das Reichskammergericht sich zugunsten des Hauses Solms- Braunfels aus. Im Vertrag von Lengerich einigten sich 1699 Graf Johann Adolf von Bentheim Tecklenburg und Graf Wilhelm Moritz von Solms-Braunfels schließlich darauf, dass letzterer das Schloss Tecklenburg , drei Viertel der Grafschaft Tecklenburg sowie ein Viertel der Herrschaft Rheda erhält. Allerdings zog Graf Johann Arnold bereits 1701 vor den Reichshofrat in Wien, um die Entscheidung anzufechten. Im Jahr 1707 verkaufte Graf Wilhelm Moritz von Solms Braunfels den ihm zugeschriebenen Anteil an Tecklenburg ohne Rücksicht auf ein späteres Urteil für 250 000 Reichstaler an König Friedrich I. von Preußen. (reg. 1701 -1713) Die gesamte Grafschaft ist seitdem faktisch preußisch. Mehreren kaiserliche Beschlüssen auf Rückgabe Tecklenburgs an das Haus Bentheim kommt Friedrich Wilhelm I. von Preußen (reg. 1713 – 1740) nicht nach. Im Jahr 1729 schloss er mit Graf Moritz Casimir I. von Bentheim Tecklenburg den Berliner Vergleich (auch Tecklenburger Vergleich genannt). Gegen eine einmalige Zahlung von 175.000 Reichstalern verzichtete Moritz Casimir zugunsten Preußens auf die Grafschaft Tecklenburg. Im Gegenzug hierfür blieb die Herrschaft Rheda dem Haus Bentheim erhalten.[57] Nachfolger der Tecklenburger findet man fortan nur noch in Rheda.[58] Die Burg Tecklenburg zerfiel ab Ende des 18. Jahrhunderts immer mehr, nachdem Friederich der Große bei einer Durchreise sich zu dem Spruch hinreißen ließ: „Kein Pfennig für den alten Kasten.“

[1] Es wird ca. das Jahr 1100 angenommen.

[2] christofspannhoff.wordpress.com/2020/02/14/ueberlegungen-zur-entstehung-der-burg-tecklenburg/comment-page-1/

[3] Hunsche Bd. 1, S. 18

[4] christofspannhoff.wordpress.com/2020/02/14/ueberlegungen-zur-entstehung-der-burg-tecklenburg/comment-page-1/

[5] Zunker, Diana, „Adel in Westfalen“, S.198

[6] christofspannhoff.wordpress.com/2020/02/14/ueberlegungen-zur-entstehung-der-burg-tecklenburg/comment-page-1/

[7] Es wird mehrfach der Begriff Vogtei erwähnt. Da im frühen Mittelalter kirchliche Würdenträger wie Bischöfe und Äbte keine weltlichen Rechte wahrnehmen durften, übernahmen Vögte die Verwaltung der weltlichen Interessen vor allem in Rechtsfragen, Finanzen, Gerichtsbarkeit  und Schutzherrschaft. Seit dem 13. Jahrhundert übernahmen Vögte auch im Auftrag weltlicher Herrscher Verwaltungsaufgaben. Sie legten Steuern fest, zogen diese ein, sie hielten Gericht und ahndeten Vergehen. Für die Vögte war es ein einträgliches Amt.

[8] Das Stift ist tatsächlich Neutrum und meint in der Regel eine (gestiftete) kirchliche Einrichtung, z. ein Bistum oder ein Kloster mit allen dazugehörigen Personen, Gebäuden und Liegenschaften. Die Stifter dieser Einrichtungen waren in der Regel Könige, Herzöge oder begüterte Adelsfamilien. Ihre Motivation war zugleich religiös und politisch.

[9] Diana Zunker, „Adel in Westfalen“

[10] Zunker S.200

[11] würde auch dazu passen, dass es in Ibbenbüren einen Schafberg gibt

[12] christofspannhoff.wordpress.com/2020/02/14/ueberlegungen-zur-entstehung-der-burg-tecklenburg/comment-page-1

[13] Zunker, S. 200

[14] ebd.

[15] Dr. Christof Spannhoff in „Tecklenburg im Mittelalter“

[16] www.essen-oldb.de/die-gemeinde/chronik-historie/

[17] Zunker, S. 244

[18] Erzbischof Engelbert von Berg galt als der einflussreichste Kirchenfürst seiner Zeit und war auch Stellvertreter von König Heinrich VII.

[19] Dr. Christof Spannhoff in Westfälische Nachrichten, 7.11.2025, „Zuflucht für den Mörder des Bischofs“

[20] Dr. Christof Spannhoff in „Tecklenburg im Mittelalter“

[21] Dr. Christof Spannhoff in einem Vortrag für GHV Tecklenburg am 21.01.2026

[22] Osnabrücker Urkundenbuch Bd. IV, 346, Auszug im Besitz des Autors

[23] Schumann, Gert, Geschichte der Stadt Lengerich, Band 1 S.73

[24] Dr. Christof Spannhoff in „Tecklenburg im Mittelalter“

[25] ebd.

[26] ebd.

[27] Ehbrecht,  „Lingen 975 – 1975“ S. 46/47

[28] In diesem Text und in den Quellen dazu fallen Begriffe wie Ritter, Ministerialen, Dienstmänner (Dienstmannen), Burgmänner (Burgmannen), Landstände.  Ministerialen waren vom Ursprung eine Art Hausbeamte eines Landesherrn im Hof-, Verwaltungs- und Kriegsdienst. Da sie dem Landesherrn dienten, waren sie also gleichzeitig die Dienstmannen. Sie gingen schließlich im Rittertum auf. Burgmannen waren diejenigen, die im Auftrag eines Burgherrn eine Burg zu bewachen und verteidigen hatten. Mit ihnen sind also ebenfalls die Ritter gemeint. Man spricht auch von ritterbürtigen Ministerialen. Zu den Rittern (milites) gesellten sich noch die Knappen (armigeri), sozusagen die Ritteranwärter. Landstände wurden in der Grafschaft Tecklenburg ausschließlich von der Ritterschaft gebildet. In der Versammlung der Landstände, die nur der Landesherr einberufen konnte, saßen jedoch nur einige Ritter. Diese Versammlung wird im allgemeinen als Landtag bezeichnet. Die Wohnsitze der Landtagsmitglieder nennt man landtagsfähige Güter. Die Landstände bestimmten mit bei der Veräußerung oder Verpfändung von Grafschaftseigentum, bei Schatzungen und Steuern, Festsetzung der Aussteuer der gräflichen Kinder, Ernennung von Beamten usw. Bei Dokumenten und Verträgen sind Ritter als Zeugen aufgeführt. (nach Hunsche Bd.1, S. 41 – 51)

Aus den Reihen der Ministerialen wurde auch immer ein Drost erwählt. Das ist eine Art Verwalter bzw. Vertreter. Schon um 1150 wird eine Ritter von Vincke als Drost von Tecklenburg genannt, 1290 ein Lambert Budde oder 1348 ein Johann Keselink. (Hunsche Bd.II)

[29] Dr. Christof Spannhoff für Heimatverein Lienen 21.9.2021

[30] Dr. Christof Spannhoff in „Tecklenburg im Mittelalter“

[31] www.lwl.org/westfaelische-geschichte/txt/wz-9065.pdf

[32] Ehbrecht, Wilfried, Lingen 975 – 1975 S. 57 und Stadtarchiv Lingen, Archivalie des Monats Juni 2016

[33] Dr. Ludwig Remling, „Im Bannkreis Habsburgischer Politik“, S. 81/82

[34] deutsche-biographie.de/gnd1035101718

[35] Manfred Wolf, „Die Entstehung der Obergrafschaft Lingen“/www.westfaelische-zeitschrift.lwl.org

[36] emslandmuseum.de/2026/04/20/ein-handstreich-im-morgengrauen/

[37] nach Manfred Wolf „Die Entstehung der Obergrafschaft Lingen“ /www.westfaelische-zeitschrift.lwl.org

[38] Wohltaten, Begünstigungen, Lehen

[39] Steffi Kleiß in Emslandjahrbuch S. 20

[40] manchmal auch der IX. genannt

[41] Dr. Ludwig Remling, „Im Bannkreis Habsburgischer Politik“, S. 84

[42] Wie im Weiteren beschrieben bezieht sich die Einführung der Reformation in jenem Jahr nur auf Rheda.

[43] Dr. Christof Spannhoff, „Kleine Geschichte der Reformation in der Grafschaft Tecklenburg“, Lienen 2017 S. 23/24

[44] ebd. S. 22

[45] auch Ledigen, Weldigen oder Leidungen

[46] Dr. Christof Spannhoff, „Kleine Geschichte der Reformation in der Grafschaft Tecklenburg“, Lienen 2017, S. 32, 33 und 35

[47] Unter anderem waren Predigten und Lieder in deutscher Sprache.

[48] lwl.org/westfaelischeGeschichte/txt/wz-9065

[49] uni-muenster.de/Staedtegeschichte/reformation-in-westfalen/Reformation_in_Westfalen/territorienderreformation/gftlingen

[50] Spannhoff spricht sogar von 6 Jahren Altersunterschied.

[51] nach Dr. Christof Spannhoff „Kleine Geschichte der Reformation in der Grafschaft Tecklenburg“, Lienen 2017, S. 57 – 50

[52] www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/finde/langDatensatz.php

[53] www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/finde/langDatensatz.php?urlID=509&url_tabelle=tab_person

[54] Vortrag von Dr. Christof Spannhoff für GHV Tecklenburg am 21.01.2026

[55] ebd.

[56] Es wird bezweifelt, ob überhaupt Erbansprüche vorlagen. Philipp von Solms und Anna hatten in ihrem Ehevertrag einen Erbanteil an Tecklenburg festgelegt, falls Konrad keinen rechtlichen Erben hinterließe. Aber mit Tochter Anna war ein rechtmäßiger Erbe vorhanden. Auch gab es keine Klausel, dass der Erbe männlich sein müsste.

[57] lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/internet/finde/langDatensatz.php?urlID=884&url_tabelle=tab_chronologie

[58] nach Hunsche, Friedrich Ernst, „Rittersitze, adlige Häuser, Familien und Vasallen“ Bd.1 und .lwl.org/westfaelische-geschichte

Abbildungen:

Abb. 1: Die Burg Tecklenburg als Kupferstich;
Quelle: https://www.tecklenburg-touristik.de/sehenswertes-kultur/historischer-altstadtrundgang/die-burg/

Abb. 2: Simon I Graf von Tecklenburg, Gründer von Malgarten
Quelle: https://wiki.genealogy.net/Grafschaft_Tecklenburg

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